Reisen, Tee & mehr Japan und Taiwan August 2026

16.08.2026

Imari, Arita, Karatsu

Wenn wir während unserer Reise durch Nordkyushu nicht gerade Teebauern besuchten, verbrachten wir viel Zeit in Keramikwerkstätten und -geschäften.

Die Dichte und Intensität des keramischen Schaffens in der Präfektur Saga ist beeindruckend. Wir erkundeten mehrere Keramikwerkstätten in Imari, Arita und in Karatsu. Besonders beeindruckt haben uns die Arbeiten der Keramikkünstler Koji Inoue und Kentarou Murayama.

Koji Inoue ist der gegenwärtige Meister des renommierten Kyozan-Kilns. Er verbindet den traditionellen Karatsu-Stil, den er von seinem Vater übernommen hat, mit den Einflüssen seiner modernen Kunstausbildung. In seinen Arbeiten zeigt sich die natürliche Struktur des Tons ebenso wie eine wunderbar ursprüngliche, rustikale Schönheit. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Teekeramik.

Das Atelier von Kentarou Murayama liegt auf halber Höhe des Berges Kagamiyama. Der Ausblick aus dem Ausstellungsraum und von der Terrasse war einfach atemberaubend! Durch den Bambuswald blickt man über die Karatsu-Bucht mit ihren verstreut liegenden, dicht bewaldeten grünen Inseln.

Murayamas Arbeiten greifen die Tradition der Karatsu-Keramik auf und verbinden sie mit Materialien aus der unmittelbaren Umgebung seines Ateliers: Erde, Steine und Pflanzen. Gleichzeitig wirken seine Entwürfe ausgesprochen zeitgenössisch und vermitteln eine besondere Einfachheit, Ruhe und Wärme.

Wenn Sie die Wirkung und das handwerkliche Können dieser beiden bemerkenswerten Keramikkünstler sowie weiterer Werke aus der Region selbst erleben möchten, besuchen Sie uns im September in unserem Geschäft. Wir freuen uns darauf, Ihnen einige ihrer wunderbaren Arbeiten persönlich zeigen zu können.

Nagasaki Region /10.08.2026

Wir trafen Marjolein von @ikedokitea und ihre Praktikantin Sara um 8:30 Uhr auf dem Parkplatz des Bahnhofs von Ureshino. Marjolein hatte geplant, uns zu zwei kleinen Teebauern zu bringen, die beide ihre Teegärten ohne den Einsatz von Pestiziden oder chemischen Düngemitteln bewirtschaften.

Der erste Teebauer, Uenohara Kuoji, lebt und arbeitet im Gebiet von Saza, etwa 90 Autominuten von Ureshino entfernt. Während der Fahrt erzählte uns Marjolein von Uenoharas Geschichte und seiner Arbeit mit Tee. Er ist einer der wenigen – vielleicht nur drei – Teebauern in der Region, die noch Kamairicha herstellen, einen in der Pfanne gerösteten Grüntee. Die Röstmaschinen, die Herr Uenohara noch heute verwendet, stammen aus den 1970er-Jahren und wurden ursprünglich von seinem Vater angeschafft. Da solche Maschinen heute nicht mehr hergestellt werden, muss Herr Uenohara sie selbst warten und reparieren.

Die Fahrt führte uns über teils sehr unwegsame, schmale Straßen, abschüssige Wege, die beiderseits vom Wald überwuchert zu werden schienen, und durch enge Kurven und Wendungen. Gleichzeitig waren wir umgeben von einer beeindruckenden Landschaft aus Bergen, Kiefernwäldern, Reisfeldern und unzähligen anderen Pflanzen. Der Reichtum der Landschaft, die unterschiedlichen Farbsättigungen der Grüntöne schufen eine schier endlose Abfolge wunderschöner Ausblicke. 

Auch der zweite Teebauer, Tōzaka Kōichi, ist Teebauer in der dritten Generation. Laut Marjolein verfolgt er bei der Herstellung seines Tees einen experimentelleren Ansatz. Er kultiviert seine Teepflanzen nicht nur ohne Pestizide und chemische Düngemittel, sondern bemüht sich auch darum, Tees aus einzelnen Kultivaren und einzelnen Ernten herzustellen, um die besonderen Eigenschaften der jeweiligen Kultivare und ihres Terroirs hervorzuheben.

Der interessanteste und beeindruckendste Tee, den wir bei Uenohara probierten, war der Zairai Kamairicha. Zairai bezeichnet keine bestimmte registrierte Sorte, sondern eine aus Samen gezogene Teepopulation. Die Pflanzen, die wir probierten, wurden vor etwa 60 Jahren von Herrn Uenoharas Großvater gepflanzt. Wir verkosteten den Tee sowohl warm bei etwa 80 °C als auch kalt aufgegossen. Wir waren beeindruckt von seiner feinen Süße und sanften Adstringenz, begleitet von Noten von Orange und Marzipan.

Bei Tōzaka probierten wir Tamaryokucha, sowohl unbeschattet als auch 14 Tage beschattet, außerdem Schwarztee und zwei verschiedene Hōjichas aus im Herbst und Winter geernteten Blättern. Der Tamaryokucha war fruchtig, cremig und reich an Umami. Am meisten beeindruckte mich jedoch der Hōjicha aus Blättern, die im November 2025 geerntet wurden. Er zeigte einen wunderbar komplexen Charakter mit milchigen, schokoladigen, floralen und leicht süßen Noten.

Einige wenige Proben wurden bereits für die Verkostung in Wien abgepackt. 

Yame / 6.8.2026

Reisfelder säumen unseren Weg nach Yame und sind die ersten Zeugen landwirtschaftlicher Nutzung in dieser üppigen, von dichten Wäldern, Bergen und tief eingeschnittenen Flüssen geprägten Landschaft. Umso größer ist unsere Freude, als wir nach rund 90 Minuten Fahrt in Yame-Kurogi schließlich die ersten Teefelder erreichen – und Toshi auf seiner Teefarm begegnen.

Toshiharu Horiuchi @TOKUSHIBA FARMS hat vor zehn Jahren, inspiriert von seinen Großeltern, die selbst einen kleinen Teegarten besaßen, und aus persönlicher Überzeugung eine Teefarm übernommen. Heute produziert er neben Matcha aus fünf verschiedenen Kultivaren auch japanischen Schwarztee sowie Sencha, Hōjicha und Kukicha – alles in hochwertiger Bio-Qualität.

Yame ist für seine besonderen Tees bekannt. Das bergige Gebiet liegt häufig im Nebel, und die besonderen klimatischen Bedingungen verlangsamen das Wachstum der Teepflanzen. So können die Blätter ihre wertvollen Inhaltsstoffe und Aromen bewahren und entwickeln eine bemerkenswerte Tiefe und Fülle – geprägt von der Landschaft, in der sie wachsen.

Von Nachmittag bis spät in die Nacht verkosteten wir Toshis verschiedene Tees und besuchten seine biologisch bewirtschafteten Plantagen. Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Kultivare: Farbe, Aroma, Geschmack, Adstringenz, Bitterkeit und Intensität können sich von Sorte zu Sorte erstaunlich unterscheiden. Den Abend ließen wir bei köstlichem, selbstgemachtem und frisch gegrilltem Takoyaki ausklingen.

Natürlich haben wir auch Teemuster für JADETEE & KERAMIK eingepackt und freuen uns schon darauf, diese besonderen Tees gemeinsam mit Ihnen in Wien zu verkosten.

Toshio Weg ist nicht immer einfach: Biologischer Teeanbau ist anspruchsvoll, und die Konkurrenz durch konventionell produzierte Tees stellt eine zusätzliche Herausforderung dar. Gemeinsam mit seiner Freundin Marina und weiteren Helferinnen und Helfern arbeitet er dennoch mit großer Leidenschaft am Aufbau und an der Zukunft seines Betriebs.

Wir durften einen wunderbaren Abend mit ihnen verbringen und anschließend sogar unser Lager für eine Nacht auf den Tatami-Matten aufschlagen, die normalerweise den Teepflückerinnen und Teepflückern vorbehalten sind.

Wir hoffen, Sie haben nun Appetit auf diese köstlichen und kostbaren Tees bekommen und freuen uns, wenn Sie weiterhin virtuell Teil unserer Reise bleiben.

FUKUOKA / 05.08.2026

Nach 14,5 Stunden, und einer kurzen Zwischenlandung in Taipei, senkt sich die Maschine der EVA-Airlines im sonnigen Dunst über dem Meer in Richtung Fukuoka. Fukuoka haben wir für unsere diesjährige Reise durch den nördlichen Teil der Insel Kyushu als Ausgangspunkt gewählt. Diese Reise wird uns in den nächsten 10 Tagen über die Tee- und Keramik-Orte Yame, Ureshino, Nagasaki, Arita und Karatsu wieder zurück nach Fukuoka und von dort weiter nach Taiwan führen.

Bevor wir morgen unseren ersten Teebauern in Yame besuchen werden, hier eine Skizze, was und wie wir Fukuaka erlebt haben: Im Wesentlichen haben wir uns in der Altstadt bewegt, die Hakata heißt: Zwei Flussarme, der Naka River und der Hakata River lockern diesen historischen Stadtteil etwas auf. Natürlich haben wir den Kushida Shrine, den Suikio Tenmangu-Shrine sowie den Shofoku-ji Tempel und Tocho-ji Temple besucht und dort jeweils kurz innegehalten. Der Shofuku-ji Tempel “gilt als ältester Zen-Tempel und wurde 1195 von Mönch Eisai (Teeliebhaber kennen diesen Namen schon), der die Rinzai-Schule des (Zen-)Buddhismus aus China mitbrachte und dabei auch gleich noch den Tee im Gepäck hatte.”   

Weiter gings über die Geschichte- und Geschichten erzählenden Steinkonstruktionen der Fukuoka Burg aus dem 17. Jahrhundert, zu Acros-Fukuoka, ein dicht bewaldetes Terrassenhaus mitten in der Stadt. Eindrücke hinterließen die Mantra artigen Ansage-Melodien des Busfahrers, die vielen Kirschbäume, die nach ihrer wundervollen Blüte im Frühjahr in der trommelnden Sommerhitze die Stadtwanderer mit ihrem Schatten schützen. Wo wir in Wien vielleicht zu viel der öffentlichen Abfallkübeln aufhängen, läufst du in Fukuoka einen halben Tag mit einem schweißgetränkten Taschentuch herum, dessen du dich schon längst entledigen wolltest. Viel Schatten und viel Licht, das mit tropischer Sonne und Luftfeuchtigkeit uns das Salz auf die Haut trieb. Wir freuen uns, dass wir hier angekommen sind. 

Wir melden uns wieder von der nächsten Etappe unserer wunderbaren und interessanten Reise.